Mandat im Markt

Herausforderungen evangelischer Printpublizistik

07. Juli 2007

Vorwort

Wie die evangelische Kirche insgesamt, so steht auch ihre Printpublizistik vor großen Herausforderungen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die zurückgehende Finanzkraft mit einhergehenden drastischen Kürzungen der Zuschüsse für die Publizistik, sondern auch um die Frage, wie die Kirche künftig ihre Mitglieder über Printmedien erreicht und wie diese Medien gestaltet sein müssen. Im Auftrag von Kirchenkonferenz und Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat der Medienausschuss eine Untersuchung in die Wege geleitet, um sich einen Überblick über Markt und Struktur der kirchlich subventionierten Printperiodika zu verschaffen. Zudem sollte die eigens dafür eingesetzte „Arbeitsgruppe Printpublizistik“ Hinweise auf mögliche Klumpungen (also vielfach bediente Teilmärkte oder Zielgruppen) und weiße Flecken (also unterversorgte Teilmärkte oder Zielgruppen) erheben. Im Rahmen einer „Bestandsaufnahme der evangelischen Printpublizistik“ wurden im Jahr 2004 im Wesentlichen Eckdaten (wie Herausgeberschaft, Erscheinungsweise, Auflage, Preis etc.) und Strukturdaten (wie Vertriebsarten, Erlösquellen und Verbreitung) der untersuchten Titel mit Hilfe einer Befragung der Verantwortlichen ermittelt. 2005 wurde eine Evaluations- und Erweiterungsstudie zur Bestandsaufnahme durchgeführt. Sie beschränkte sich auf die detaillierte Betrachtung solcher Publikationen, die in irgend einer Form von der EKD oder einer ihrer Gliedkirchen finanziell unterstützt werden und somit im weitesten Sinne steuerungsfähig sind. Basis der Studie sind insgesamt 160 evangelische Printublikationen mit einer Gesamtdruckauflage von fast 60 Millionen Exemplaren. Nicht berücksichtigt wurden Publikationen des diakonischen sowie des missionarischen Marktes.

Die Analyse ist in jeder Hinsicht ernüchternd. Neben den zweifellos vorhandenen Stärken, sind es vor allem die Schwächen, die die Verantwortlichen auf allen Ebenen wachrütteln müssen. Die meisten Aktivitäten in der evangelischen Printpublizistik finden unkoordiniert statt. Es gibt zahllose Überlappungen, Doppel- und Dreifacharbeiten sowie schädliche Konkurrenzen. Die Finanzierung dieser Aktivitäten ist uneinheitlich, die Finanzströme intransparent. Für bestimmte Zielgruppen gibt es keine oder nur sehr wenige Angebote. Vielfach richten sich diese nach innen und nicht nach außen.

Die Ergebnisse dieser Analyse liegen jetzt in dem Papier „Mandat im Markt – Herausforderungen evangelischer Printpublizistik“ vor. Sie wurden von Kirchenkonferenz und Rat einstimmig angenommen und ihre Umsetzung wurde empfohlen. Das Kirchenamt wurde gebeten, dieses Votum den Gliedkirchen sowie den in der evangelischen Publizistik Verantwortlichen bekannt zu machen. Der Medienausschuss wird den Prozess der Umsetzung begleiten und Kirchenkonferenz und Rat berichten.

Das Papier konzentriert sich mit konkreten Handlungsempfehlungen auf folgende Objekte: das Monatsmagazin „chrismon“, die Monatszeitschrift „zeitzeichen“, die Zielgruppenzeitschrift (Kinder) „Benjamin“ sowie die Zielgruppenpublikationen (Jugendliche/Junge Erwachsene) „JS“ und „zivil“.

Der Titel des Votums ist Programm: Die evangelische Kirche hat ein klares Mandat für den printpublizistischen Markt. Ihre Produkte müssen sich den Bedingungen des Marktes stellen und in diesem Lichte bewähren. Dies kann gelingen, wenn die Verantwortlichen zügig die Stärken aus- und die Schwächen abbauen.

Hannover, im Juli 2007

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer
Vorsitzender des Medienausschusses von Kirchenkonferenz und Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)



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